Konzert am 7. November 2004
| Rhythmus zweier Chöre ließ Füße wippen |
ASCHEBERG | Zum Einmal Waschen, Schneiden, Föhnen gibt es heutzutage beim Friseur meist noch eine Tasse Kaffee und Klatschlektüre. Und wer will, bekommt noch ein Schwätzchen mit dem Coiffeur dazu. Etwas anderes erwartet auch niemand. Schließlich wäre es doch überaus ungewöhnlich, fänge der Haarkünstler plötzlich an zu singen. Im Amerika des 19. Jahrhunderts war das aber durchaus an der Tagesordnung. Wer zu dieser Zeit zum Barbershop ging, bekam zum gestutzten Haar auch noch eine kostenlose Gesangseinlage dazu. In der Tradition dieses vierstimmigen Barbershop-Gesangs sieht sich der Chor A barrel of fun, der am Sonntag bei einem Chorkonzert mitwirkte, zu dem der Männergesangsverein Cäcilia in die Aula der Ascheberger Realschule eingeladen hatte.
Die Welt der Musik versprach der MGV Cäcilia seinem Publikum musikalisch zu bereisen und widmete sich dabei zunächst den Evergreens bekannter Künstler. Dass Musik fröhlich machen kann und für Lebensfreude sorgt, besangen die Herren stimmungsvoll in ihrem ersten Beatles-Stück, mit dem sie ihr Publikum aufforderten Sing mit mir.
Eine völlig andere Atmosphäre erzeugte der Chor unter der Leitung von Uli Böckmann, indem er mit der deutschen Version des Elvis-Klassikers Are you lonesome tonight? Sehnsucht in Töne fasste. Von einem Lebensweg, der nicht immer gerade war, berichtete der MGV Cäcilia dann in So war mein Leben, bekannter als My Way von Frank Sinatra.
Viel Applaus bekamen die Sänger für ihr anschließendes Medley aus Hits von Udo Jürgens: Aber bitte mit Sahne, Mit 66 Jahren und Ich war noch niemals in New York trugen die Chormitglieder schwungvoll vor und sorgten damit für mitwippende Füße im Publikum.
Ein echtes Kontrastprogramm bot dann der Barbershopchor A barrel of fun aus Hamm unter der Leitung von Brigitte Kockelke. Wo zuvor noch tiefe Männerstimmen die Aula erfüllten und Herren in dunklen Anzügen die Bühne dominierten, nahmen nun lebhafte Stimmen bunt gekleideter Damen das Publikum mit auf eine melodiöse Sentimental Journey.
Mit dem Wunsch nach einem Pagliacci beschäftigt sich das Lied Mister Sandman, das der Chor als nächstes zu Gehör brachte. Pagliacci ist italienisch und lässt sich nicht übersetzen. Auf Spanisch ist es ein Bajazzo, auf Französisch ein Pierrot. Nur ein deutsches Wort gibt es nicht dafür. Also singen wir es jetzt auf Englisch mit westfälischem Dialekt, kündigte eine der Sängerinnen das Lied an und sorgte damit für Gelächter im Publikum.
Nach On the sunny side of the street und When I`m 64 von den Beatles präsentierte der nun in schwarz-rot gekleidete Damenchor seine humorvolle Seite. Hab`n Sie nicht nen Mann für mich?, wollten die Sängerinnen von den amüsierten Zuhörern wissen. Ich will keine Schokolade gab dann Solistin Kirsten Krupa mit hervorragender Stimme und gesanglicher Unterstützung von A barrel of fun kund. Sie untermauerte das, indem sie ihre Zuhörer mit Schokoriegeln belohnte.
Stücke aus der Feder von Andrew Lloyd-Webber präsentierte abschließend der MGV Cäcilia. Mit kraftvollen Stimmen trugen die Herren den Titelsong aus dem Musical Starlight Express vor und schlossen einen Querschnitt aus den schönsten Stücken des Phantoms der Oper an.
Als das begeistert applaudierende Publikum ein Zugabe forderte, traten beide Chöre gemeinsam vor die Zuschauer, und Frauen- und Männerstimmen vereinten sich, um erneut das Udo-Jürgens-Medley erklingen zu lassen. Beim Klang von so viel Stimmgewalt konnte auch das Publikum nicht widerstehen und nahm mit Klatschen begeistert Anteil am schwungvollen Schlusspunkt dieses Chorkonzerts.
Dienstag, 09. November 2004 | Nicole Klein-Weiland | Quelle: Westfälische Nachrichten